Geschichte des Freiberger
Bergbaus
Der erste Silbererzfund, und somit die Entdeckung des
ersten Erzganges, des Freiberger Reviers im Gebiet der heutigen
Freiberger Altstadt wird auf das Jahr 1168 datiert. Wie wohl
auch in den meisten anderen Bergbaurevieren gibt es auch hier zu
diesem Ereignis eine Legende.
So sollen Fuhrleute aus dem heutigen niedersächsischen oder
sachsenanhaltienischen Raum beim Herausheben eines in einer
Fuhrt des Lößnitzbaches eingesunkenen Wagenrades hellglänzende
Bleierzbrocken aufgefallen sein, welche sie zur Untersuchung auf
ihren Silbergehalt mit nach Gosslar nahmen, wo der
Silbererzbergbau bereits seit 200 Jahren umging. Sie erwiesen
sich als viel silberreicher als der Gosslarer Glanz, so dass
viele Harzer Bergleute schnell entschlossen ihre Arbeit in den
dortigen Gruben aufgaben und nach dem Fundort auswanderten. Hier
hatte der Wettiner Markgraf Otto von Meißen, heute genannt Otto
der Reiche, auf die alleinige Ausübung des ihm um 1170 vom
Kaiser Friedrich Barbarossa verliehenen Bergregals (Abbaurecht)
verzichtet und ließ unter der verkündeten Bergbaufreiheit,
welche der heutigen Stadt ihren Namen gab, jedem das Recht
erteilen, nach Edelmetallen zu schürfen (suchen) und sich nach
dem Fündigwerden ein Grubenfeld verleihen zu lassen. Als
Grundeigentümer beanspruchte der Markgraf ein Drittel des
Ertrages.
Dies führte zu einer intensiven Schürftätigkeit, in deren Folge
bereits nach wenigen Jahren alle bedeutenden Erzgänge der
Umgebung bekannt waren.Der anfängliche Abbau in kleinen
grabenförmigen Tagebauen und im Tiefbau dicht unter der
Erdoberfläche war noch verhältnismäßig unkompliziert und brachte
Erze mit hohem Silbergehalt und sogar gediegenes Silber aus der
Oxydationszone. Mit dem Vordringen der Gruben nach der Tiefe ab
ca. 1300 wurden Wasserhebung, Frischluftzufuhr und Förderung
(Transport) immer komplizierter und kostenintensiver und die
gewonnenen Erze aus dem unverwitterten Bereich waren geringer im
Silbergehalt, so dass es zu einer ersten Krise des Freiberger
Bergbaus kam.
Dem begegneten die sächsischen Kurfürsten bereits seit 1379
durch die nachweisliche Förderung, wirksame maschinelle
Einrichtungen zur Wasserhebung und zur Förderung in Schächten
konstruieren und einbauen zu lassen, und übernahmen seit 1384
die wichtigsten Wasserlösestollen, welche sie auf ihre Kosten
weiter vorantreiben ließen, so der später so genannte Alte und
Tiefe Fürstenstolln.
Mit der Einführung des Prinzips, Grubenwasser ist mit
Aufschlagwasser, welches in den Berg eingeleitet wird, zu heben,
wurden verschiedene Wasserkünste eingesetzt, und so paradox es
klingen mag, in Jahren mit wenig Niederschlag sind die Gruben
oftmals aufgrund von Wassermangel abgesoffen, da übertage nicht
mehr genug Aufschlagwasser vorhanden war, mit dem man die
untertägig eingebauten Wasserräder hätte beaufschlagen können.
So sah man sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts dazu veranlasst
ein großes Kunstgraben-, Kunstteich- und Röschensystem zu
schaffen, um so das Wasser der Osterzgebirgischen Flüsse nutzen
zu können, und für Trockenperioden einen ausreichend großen
Stauraum mit entsprechendem Wasservorrat zu besitzen.
Zu einer erneuten Krise im sächsischen Bergbau kam es ab 1600
durch den wiedermals unzureichenden Stand der Technik und vor
allem durch die Wirrungen des Dreißigjährigen Krieges.
In den darauf folgenden Jahren wurden nur wenige technische
Einzelverbesserungen vorgenommen, wie die Einführung des Bohrens
und Schießens (Sprengens), bis man erkannte, dass ein
neuerlicher erfolgreicher Bergbau nur mit verbesserter Technik
und mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen von der Lagerstätte
selbst bewerkstelligt werden konnte, wofür ein entsprechend gut
ausgebildetes Aufsichts- und Ingenieurspersonal aber
Vorraussetzung war. Dies veranlasste auf Anregung von
Generaloberkommisar Friedrich Anton v. Heynitz und dem
Oberberghauptmann Friedrich Wilhelm v. Oppel 1765 die Gründung
der Bergakademie Freiberg.
Wiederum wurden neue Maschinen zur Förderung und Wasserhebung
konstruiert, wobei sich der Maschinenbeamte Johann Friedrich
Mende große Verdienste erwarb. Er konstruierte z.B. 1767/68 die
erste Wassersäulenmaschine für den sächsischen Bergbau, und ließ
1788/89 den Churprinzer Bergwerkskanal mit dem ersten
Schiffshebewerk der Welt bauen.
Auch die Betriebskonzentration durch die Konsolidierung von
kleinen Gruben zu großen Betriebseinheiten machte den Bergbau
wieder ökonomischer.
Doch mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und der
Umstellung auf die Goldwährung 1873 war Silber den
Preisschwankungen auf dem Weltmarkt unterworfen und der
internationale Preissturz des Silbers durch Lieferungen aus
Mittel- und Südamerika führten in wenigen Jahren zu unrentablen
Gruben im Revier, woran auch die Verstaatlichung der wichtigsten
Gruben Himmelfahrt, Himmelsfürst, Beschert Glück, Junge Hohe
Birke und Vereinigt Feld und deren technische Modernisierung
nichts ändern konnte, so dass sich der sächsische Landtag 1903
dazu veranlasst sah, die planmäßige Stilllegung des Freiberger
Bergbaus bis 1913 zu beschließen.
Aber bereits nach dem ersten Weltkrieg, Mitte der zwanziger
Jahre, führte man Untersuchungen über eine Wiederaufnahme des
Bergbaus durch, und während der faschistischen Diktatur führten
Autarkiebestrebungen ab 1937 dazu, diese Wiederaufnahme in
Angriff zu nehmen, diesmal orientiert auf die kriegswichtigen
Rohstoffe Blei, Zink und Kupfer.
Nach dem zweiten Weltkrieg und einer kurzen Übernahme durch
die SAG WISMUT (Erkundung auf Uranerz) betrieben der VEB
Bleierzgruben „Albert Funk“ und zuletzt das Bergbau- und
Hüttenkombinat Freiberg weiterhin Buntmetallbergbau im Revier.
Doch musste, trotz gesteigerter Arbeitsproduktivität durch
bessere Technik und verbesserter Abbau-, Förder- und
Aufbereitungsverfahren der Bergbau in großem Umfange staatlich
gestützt werden, so dass eine ökonomische Bauwürdigkeit nicht
mehr gegeben war, was 1969 zur Schließung der Gruben führte, und
so die letzte, intensivste Bergbauperiode beendete.
Das der Bergbau in zukünftiger Zeit wieder aufgenommen wird,
ist indes nicht auszuschließen, denn wie schon der Bergverwalter
R. M. Wengler in seinem Aufsatz „Das Berggebäude Himmelfahrt
Fundgrube zu Freiberg im Jahre 1871“ schreibt: „Ob in größeren
Teufen, nämlich unter der 11.Gezeugstrecke, wieder reichere
Bleiglanzmittel auftreten werden, läßt sich zur Zeit nicht
bestimmen; indeß ist dies nicht unwahrscheinlich, indem die
Erzführung der Gänge jedenfalls nach der Tiefe ebenso variirt,
wie in horizontaler Erstreckung, und überhaupt kein Grund zu der
Annahme vorhanden ist, daß eine stetige Verminderung der Erze
nach der Tiefe hin stattfinden sollte.“
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