Geologie der Freiberger
Lagerstätte
Der Freiberger Lagerstättenbezirk liegt geologisch
betrachtet in der
Fichtelgebirgisch-Erzgebirgischen-Antiklinalzone, einer im
Rahmen einer Gebirgsbildung durch Faltung erzeugten Aufwölbung,
die durch metamorphe präkambrische bis altpaläozoische Gesteine
geprägt ist, und setzt sich aus den drei Bergbaurevieren
Freiberg-Muldenhütten, Halsbrücke und Brand-Erbisdorf zusammen.
Er hat eine Nord-Süd-Erstreckung von ca. 15 km und eine
Ost-West-Erstreckung von ca. 9 km und steigt im Norden bei
Großschirma/Halsbrücke von ca. 320 müNN bis auf ca. 500 müNN im
Süden bei Brand-Erbisdorf an und wird im Osten und Norden vom
Tal der Freiberger Mulde in etwa Südost-Nordwest-Richtung ca. 90
m tief durchschnitten.Das im Grubenfeld der Himmelfahrt
Fundgrube vorherrschende Gestein ist der Freiberger graue Gneis.
Der graue Gneis besteht überwiegend aus Feldspat (Orthoklas),
Quarz und Glimmer (Biotit), zeigt fast allenthalben eine ganz
regelmäßig schiefrigblättrige, sehr selten flasrige oder körnige
Textur, und wurde vor ca. 360-335 Mill. Jahren während der
Kollision der beiden Urkontinente Gondwana und Laurussia und der
daraus resultierenden variszischen Orogenese (Gebirgsbildung)
durch Umwandlung eines ca. 550 Mill. Jahre alten Granodiorits
gebildet.
Durch wechselnden Druck aus dem Erdinneren und der
Kontraktion durch Abkühlung von außen bildeten sich über längere
geologische Zeiträume hinweg (vor ca. 320-280 Mill. Jahren) im
Deckgebirge Risse in Form von Spalten. Diese dienten als
Zirkulationswege für aufsteigende hydrothermale Lösungen, aus
denen sich die Minerale innerhalb dieser Hohlräume durch
zunehmende Temperaturabnahme und Druckentlastung absetzen
konnten. Weitere Erzgänge entstanden während einer zweiten
Mineralisationsperiode vor 210-140 und 80-30 Mill. Jahren.
Die über 500 Erzgänge des Freiberger Reviers bilden somit ein
kompliziert anmutendes Gitternetz von Spalten, die sich aber in
ein NNO-SSW-Richtung, ein N-S-Richtung, ein WNW-OSO-Richtung und
ein NW-SO-Richtung verlaufendes Spaltensystem unterteilen
lassen.
Während der ersten Mineralisationsperiode entstanden vor allem
die tendenziell N-S verlaufenden Erzgänge der so genannten
Quarz-Polymetall-Assoziation mit den Erzen Galenit (Bleiglanz
PbS) mit einem durchschnittlichen Silbergehalt von 0,3%,
Sphalerit (Zinkblende ZnS), Pyrit (Schwefelkies FeS2)
sowie Arsenopyrit (Arsenkies FeAsS) und Chalkopyrit (Kupferkies
CuFeS2) und dem als Gangart (nicht nutzbares Mineral
innerhalb des Erzganges) auftretendem Quarz (SiO2).
In der zweiten Mineralisationsperiode bildeten sich vor allem
die tendenziell O-W verlaufenden Erzgänge in denen hauptsächlich
die Gangarten Baryt (Schwerspat BaSO4) und Fluorit
(Flussspat CaF2) zu finden sind, sowie in
linsenförmigen Anreicherungen, so genannten Erzfällen,
silberreicher Galenit (ca. 1,4% Silber) und Tetraedrit ((Cu,Fe)12Sb4S13)
sowie, z.T. auch fein verteilt und lagig, Sphalerit, Pyrit,
Chalkopyrit und Markasit, so dass man hier von der
Fluorbarytischen-Bleierz-Assoziation spricht.
Besondere Beachtung verdienen die meisten Gangkreuze, da es
hier bei der Gangentstehung durch das Zusammentreffen zweier
verschiedener Stofflösungen zu einer Veredelung der Erzgänge
kam. In diesen Bereichen findet man die
Wismut-Kobalt-Nickel-Silber-Assoziation mit der
Silber-Sulfid-Paragenese in der gediegenes Silber (100%
Silberanteil), Freibergit ((Ag,Cu,Fe)12(Sb,As)4S13),
Proustit (Lichtes Rotgültigerz Ag3AsS3,
25% Silberanteil), Argyrodit (Ag8GeS6),
Argentit (Silberglanz Ag2S, 80% Silberanteil),
Argentopyrit (AgFe2S3) und Pyrit,
Sphalerit, Galenit sowie die Gangarten Siderit (Fe2+CO3),
Ankerit (Ca(Fe2+,Mg,Mn)(CO3)2)
und Calcit (CaCO3) zur Abscheidung kam. So war es
denn auch meist der Abbau dieser Gangkreuze, der zum reichen
Ausbringen vieler Gruben führte. |